Der Flugzeugträger Charles de Gaulle ist teuer, doch die eigentliche Frage ist nicht, ob er absolut gesehen „teuer“ ist: Entscheidend ist, was genau gemessen wird. Eine auf das Jahr umgelegte Wartungsstunde, eine Einsatzstunde der Flugzeugträgerkampfgruppe und eine Flugstunde einer Rafale umfassen nicht dieselben Kosten.

Um die tatsächlichen Kosten des Flugzeugträgers Charles de Gaulle zu verstehen, müssen daher mehrere Größenordnungen rekonstruiert werden. Das französische Verteidigungsministerium beziffert seine Einsatzbereitschaftserhaltung auf rund 100 Millionen Euro pro Jahr, ohne große technische Werftliegezeiten. Eine Presseberechnung nennt parallel 50.000 Euro pro Stunde für den Einsatz der vollständigen Flugzeugträgerkampfgruppe. Und die französische Luft- und Raumfahrtwaffe setzt 20.000 Euro für eine Rafale-Flugstunde an. Diese Beträge lassen sich nicht automatisch addieren.

Was kostet eine Stunde Charles de Gaulle tatsächlich?

Die belastbarste Zahl betrifft die MCO, also die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft: rund 100 Millionen Euro pro Jahr, ohne ATM, zu den wirtschaftlichen Bedingungen von 2022. Teilt man diesen Betrag einfach durch die 8.760 Stunden eines Jahres, ergeben sich rund 11.400 Euro pro Kalenderstunde.

Diese Rechnung ist nützlich, um eine Größenordnung zu vermitteln, sie darf aber keinesfalls als Preis einer Kampfstunde dargestellt werden. Das Schiff befindet sich nicht das ganze Jahr im Einsatz, und MCO-Kosten fallen auch an, wenn es nicht verlegt ist. Es handelt sich also um geglättete Stundenkosten, nicht um eine Kampfrechnung.

Am anderen Ende der Skala schätzt eine in der Presse veröffentlichte Berechnung den Einsatz der Flugzeugträgerkampfgruppe, also des Trägers samt Eskorte, auf 50.000 Euro pro Stunde. Diese Zahl liegt näher am Begriff der „Machtprojektion“: Im Einsatz fährt die Charles de Gaulle nicht allein. Fregatten, ein Atom-U-Boot und ein Versorgungsschiff gehören mit ihren Besatzungen zum Verband.

Diese Schätzung von 50.000 Euro pro Stunde ist mit Vorsicht zu behandeln: Anders als die jährlichen 100 Millionen Euro MCO ist sie nicht offiziell festgelegt. Auf 24 Stunden sind das 1,2 Millionen Euro; auf 30 Tage im Dauereinsatz 36 Millionen Euro. Bezogen auf den jährlichen französischen Etat von einer Milliarde Euro für Auslandseinsätze entspräche dieser theoretische Monat rund 3,6 % dieses Budgets. Ein seriöses Verhältnis zum BIP oder zum gesamten Verteidigungshaushalt lässt sich dagegen ohne eine einheitliche Zahlenbasis nicht bilden.

Schwere Wartung verändert die Betrachtung vollständig

Die Charles de Gaulle folgt einem Wartungszyklus, der durch ihren Nuklearantrieb stark eingeschränkt ist. Zwei große technische Stillstände liegen ungefähr 90 Monate, also 7,5 Jahre, auseinander; innerhalb des Zyklus finden außerdem sechs technische Zwischenstopps in etwa jährlichem Rhythmus statt.

Die ersten beiden ATM kosteten zusammen rund 650 Millionen Euro zu den wirtschaftlichen Bedingungen von 2022. Ein einfacher arithmetischer Mittelwert ergibt 325 Millionen Euro pro ATM. Das ist keine Prognose für den nächsten Stillstand, der für 2028 vorgesehen ist und noch bewertet wird.

Man kann die Rechnung mit einer bewusst einfachen Glättung weiterführen: 325 Millionen Euro über einen Zyklus von 7,5 Jahren entsprechen rund 43,3 Millionen Euro pro Jahr. Addiert man dies zu den jährlichen 100 Millionen Euro laufender MCO, ergibt sich eine theoretische Größenordnung von rund 143 Millionen Euro pro Jahr, also etwa 16.400 Euro pro Kalenderstunde. Diese Rechnung ist kein offizielles Budget: Sie soll lediglich zeigen, wie sich der Zyklus schwerer Wartung auf die langfristigen wirtschaftlichen Kosten auswirkt.

Was kostet ein Flugeinsatz vom Flugzeugträger?

Eine weitere häufige Verwechslung besteht darin, dem Flugzeugträger die Kosten seiner Flugzeuge zuzurechnen. Ein Rafale-Einsatz ist jedoch eine zusätzliche Kostenschicht. Die französische Luft- und Raumfahrtwaffe bewertete 2024 eine Rafale-Flugstunde mit 20.000 Euro.

Auf dieser Basis kostet ein dreistündiger Einsatz rechnerisch 60.000 Euro pro Rafale, ohne verbrauchte Bewaffnung. Bei sechs Maschinen, die jeweils drei Stunden fliegen, ergeben sich theoretische Flugkosten von 360.000 Euro. Auch hier darf dieser Betrag nicht blind zu den 50.000 Euro pro Stunde der Flugzeugträgerkampfgruppe addiert werden, solange der genaue Umfang dieser letzten Schätzung nicht bekannt ist.

Die Munitionskosten können die Rechnung sehr schnell verändern: Ein Flugkörper wird in verfügbaren Schätzungen mit 1 bis 3 Millionen Euro pro Stück angesetzt. Ein realer Kampfeinsatz kann daher deutlich teurer sein als eine einfache Multiplikation der Flugstunden.

Ein saubererer Luftvergleich als der Vergleich von Schiffen

Um Systeme zu vergleichen, ohne einen erfundenen Stundenpreis für amerikanische oder britische Flugzeugträger anzusetzen, ist es am ehrlichsten, von veröffentlichten Flugstundenkosten auszugehen. Für einen standardisierten dreistündigen Einsatz, nur zur Einordnung:

  • Rafale: 60.000 Euro für drei Stunden auf Basis von 20.000 Euro pro Stunde.
  • Amerikanische A-10: 66.000 Euro auf Basis von 22.000 Euro pro Stunde.
  • Amerikanische F-35: 123.000 Euro auf Basis von 41.000 Euro pro Stunde.
  • Amerikanische F-22: 249.000 Euro auf Basis von 83.000 Euro pro Stunde.
  • Amerikanische B-1: 507.000 Euro auf Basis von 169.000 Euro pro Stunde.

Diese Flugzeuge haben weder dieselben Aufgaben noch dieselben Einsatzbedingungen, und einige sind nicht trägergestützt. Der Vergleich misst daher keine gleiche Effizienz; er ordnet lediglich die stündlichen Größenordnungen ein.

Und im Vergleich zu amerikanischen und britischen Flugzeugträgern?

Für einen Nimitz, eine Gerald R. Ford oder eine britische Queen Elizabeth wird hier kein direkt vergleichbarer Stundenpreis oder Wartungszyklus zugrunde gelegt.

Die Vereinigten Staaten verfügen über 11 Flugzeugträger, doch ohne eine einheitliche Haushaltsmethodik würde der Vergleich ihrer Ausgaben mit einer französischen MCO-Zahl eine künstliche Genauigkeit erzeugen. Für das Vereinigte Königreich gilt dasselbe Problem: Es ist besser, die Grenze anzuerkennen, als eine Rangliste zu erfinden.

Die wichtigste Regel ist einfach: Kosten sind nur sinnvoll, wenn ihr Umfang bekannt ist. Selbst die Rafale wurde 2004 mit 35.000 Euro pro Unterstützungsstunde, 2014 mit 14.596 Euro pro Stunde für planmäßige Wartung und 2024 mit 20.000 Euro pro Flugstunde bewertet. Diese Werte widersprechen sich nicht zwingend; sie messen schlicht nicht exakt dasselbe.

Bekommt Frankreich also etwas für sein Geld?

Mit der Charles de Gaulle kauft Frankreich in erster Linie eine Fähigkeit: vollständige Kampffliegerkräfte zu verlegen, ohne von einem nahe gelegenen landgestützten Luftwaffenstützpunkt abhängig zu sein. Sie kann bis zu rund vierzig Luftfahrzeuge aus Rafale Marine, Hubschraubern und Radarflugzeugen mitführen und operiert zugleich mit Eskorte und Unterstützungsverbänden.

Wirtschaftlich lautet die richtige Lesart daher nicht „50.000 Euro pro Stunde für ein Schiff“. Es ist der Preis eines Systems zur Machtprojektion, das einen nuklearen Flugzeugträger, trägergestützte Luftstreitkräfte, Fregatten, ein U-Boot, einen Versorger und ihre Besatzungen zusammenführt. Die Rechnung ist hoch, doch das bezahlte Gesamtpaket ist ebenfalls weit größer als nur der Rumpf der Charles de Gaulle.

Für die Abschreckung erlaubt keine der genannten Zahlen, einen eigenen wirtschaftlichen Wert des Flugzeugträgers zu isolieren oder eine „Rendite“ zu berechnen. Bei der Machtprojektion ist die finanzierte Fähigkeit dagegen direkt erkennbar: einen vollständigen Marine-Luft-Verband samt Flugzeugen auf See zu verlegen.

Der nützlichste Vergleich betrifft nicht das Schiff allein, sondern die erbrachte Leistung: Was kostet die Fähigkeit, weit entfernt vom eigenen Staatsgebiet Kampfflugzeuge mit Schutz, Versorgung und Führung starten zu lassen?

Mit den verfügbaren Zahlen lassen sich drei Anhaltspunkte festhalten: rund 11.400 Euro pro Stunde für die geglättete jährliche MCO ohne ATM, rund 16.400 Euro pro Stunde, wenn eine theoretische Glättung vergangener großer Stillstände hinzukommt, und 50.000 Euro pro Stunde als Presseschätzung für die eingesetzte Flugzeugträgerkampfgruppe. Für einen Flugeinsatz entspricht eine drei Stunden fliegende Rafale etwa 60.000 Euro vor Bewaffnung.

Diese Größenordnungen helfen mehr als Schlagworte über einen „zu teuren“ oder „unverzichtbaren“ Flugzeugträger zu verstehen, was Frankreich tatsächlich bezahlt, wenn es von Machtprojektion spricht.