Der 22. Mai 2026 wird für immer in der Erinnerung der Fans von Lens verankert bleiben. Am Ende eines hochintensiven Finales vor einem Stade de France, das von rund 50.000 Blut-und-Gold-Anhängerinnen und -Anhängern elektrisiert wurde, hat RC Lens zum allerersten Mal in seiner 120-jährigen Geschichte den Coupe de France gewonnen und OGC Nice mit 3:1 besiegt.
Ein Spiel, das von Anfang bis Ende kontrolliert wurde
Schon zu Beginn der Begegnung zeigten die Lens-Spieler eine beeindruckende mannschaftliche Kontrolle. Florian Thauvin eröffnete in der 25. Minute den Torreigen, als er den Ball nach einem hervorragenden Zuspiel von Matthieu Udol mit dem linken Fuß vom Strafraumeingang ins Netz beförderte. Ein Treffer, der die ohnehin brodelnde Lens-Tribüne endgültig explodieren ließ.
Zehn Minuten später fand eine präzise Ecke desselben Thauvin den Kopf von Odsonne Édouard, dessen Kopfball noch abgefälscht wurde, bevor er Maxime Dupé überwand: 2:0. Die Artésiens schienen auf dem Weg zu einem souveränen Triumph zu sein.
Doch kurz vor der Pause brachte der erst 17-jährige Djibril Coulibaly die Hoffnung der Nizza-Fans mit einem sehenswerten Kopfball nach einer Ecke von Jonathan Clauss zurück und verkürzte auf 2:1 (45.+3). Dieser Anschlusstreffer sorgte vorübergehend für Anspannung in den Reihen von Lens.
Sima besiegelt den Triumph, Lens geht in die Geschichte ein
Die zweite Halbzeit war umkämpfter. Die Adler aus Nizza suchten den Ausgleich und waren in der 65. Minute ganz nah am Tor, als Antoine Mendys Kopfball an der Latte landete. Das Schicksal schien Lens wohlgesonnen zu sein.
In der 78. Minute nutzte Abdallah Sima einen misslungenen Befreiungsschlag von Dante, eroberte den Ball und jagte ihn am Torhüter von Nizza vorbei ins Netz: 3:1. Endstand. Florian Thauvin, der ein außergewöhnliches Spiel gemacht hatte, wurde folgerichtig zum Mann des Spiels gewählt.
„Das ist das Paradies auf Erden. Wir haben 120 Jahre darauf gewartet. Heute Abend sind wir unsterblich“ — ein Lens-Fan nach dem Schlusspfiff.
Jubel in Bollaert, eine Nacht des Wahnsinns
Während die Feier zunächst auf den Rängen des Stade de France explodierte, erreichte sie in Lens, im Stade Bollaert-Delelis, ihren Höhepunkt. Nach einer mehr als zweistündigen Busfahrt kamen die Spieler gegen 4 Uhr morgens an und wurden trotz der späten Stunde von rund 15.000 Fans empfangen, während blut- und goldfarbene Fahnen in der Nacht wehten.
Am nächsten Tag versammelte eine Parade durch die Straßen von Lens Zehntausende Menschen. Die Spieler zogen in einem landwirtschaftlichen Anhänger, der in den Vereinsfarben geschmückt war, durch die Stadt, begleitet von dem viral gewordenen Slogan: „On les a chicotés“ — eine Anspielung auf die Tradition von Lens, die beim französischen Meistertitel 1998 entstand, als die Spieler bereits in einem von einem Traktor gezogenen Anhänger paradierten.
Die Trophäe wird demnächst im Musée du Louvre-Lens ausgestellt, als lebendiges Zeugnis eines Moments, der in die Geschichte des französischen Fußballs eingegangen ist.
Ein Klub und eine Region im Ausnahmezustand
Der Sieg von RC Lens geht weit über den rein sportlichen Rahmen hinaus. Er symbolisiert den Stolz eines umgewandelten Bergbaureviers, einer Arbeiterstadt, die einen Verein mit nationaler Ausstrahlung aufgebaut hat. Nach drei verlorenen Finals (1948 gegen Lille, 1975 gegen Saint-Étienne, 1998 gegen PSG) hatten die Blut-und-Goldenen diese populäre Trophäe noch nie gewinnen können.
2026, nach der Rückkehr in die Ligue 1 und einer beeindruckenden Saison, schreibt RC Lens seine Geschichte neu. Dieser Triumph im Coupe de France, der erste große Titel des Vereins, öffnet möglicherweise die Türen nach Europa in der kommenden Saison und krönt die Arbeit eines geschlossenen Kollektivs, das von einem ambitionierten sportlichen Projekt geleitet wird.
Für die Fans, jung und alt, ist diese Nacht des 22. Mai 2026 eine, von der sie ihren Kindern erzählen können: „Ich war dabei.“
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