Finsternisbrillen: Fälschungen vor dem 12. August vermeiden
Vier Tage vor der Sonnenfinsternis am 12. August 2026 sollte der Kauf von Finsternisbrillen nicht darauf hinauslaufen, einfach das billigste Paar oder das mit der seriösesten Verpackung zu wählen. In Frankreich wird die Sonne je nach Region zu 90 bis 99,9 % bedeckt sein, während die Finsternis in Spanien total sein wird. Die eigentliche Frage ist also einfach: Wie erkennt man ein wirklich geeignetes Paar und unterscheidet es von einem Produkt mit irreführender Kennzeichnung?
Bei Finsternisbrillen liefert der Preis allein keine Antwort. Que Choisir kaufte Anfang Juli 2026 zehn Modelle aus Apotheken, Supermärkten, Zeitschriften, Optikergeschäften und dem Internet: Alle zehn filterten die Sonnenstrahlung korrekt, auch wenn mehrere Mängel bei Kennzeichnung, Anleitung oder Zertifikat aufwiesen. Mit anderen Worten: Die Konformität lässt sich weder am Kassenbon noch am Ruf der Verkaufsstelle ablesen.
Der erste Filter: nach der richtigen Norm suchen, nicht nur nach dem CE-Logo
Für die direkte Beobachtung der Sonne ist die gesuchte Referenz EN ISO 12312-2:2015 oder die geänderte Fassung EN ISO 12312-2:2015+A1:2020. Die Norm EN ISO 12312-1:2022 betrifft herkömmliche Sonnenbrillen: Sie eignet sich nicht zum Betrachten einer Sonnenfinsternis. Eine einfache CE-Kennzeichnung reicht daher nicht aus, um daraus zu schließen, dass ein Paar für die Sonnenbeobachtung schützt.
Noch bevor man den Filter testet, lässt sich eine sehr konkrete Kontrolle von Gestell und Dokumentation durchführen. Die erwarteten Angaben sind präzise genug, um einen Teil der fragwürdigen Produkte auszusortieren:
- der Verweis auf die Norm NF EN ISO 12312-2:2015 muss vorhanden sein;
- die Zertifizierung muss direkt auf dem Gestell aufgedruckt sein und nicht nur auf einem Aufkleber oder der Verpackung;
- die CE-Kennzeichnung muss vorhanden sein;
- Name und Kontaktdaten des Herstellers müssen angegeben sein;
- eine Produkt- oder Chargenreferenz muss die Identifizierung des Paars ermöglichen;
- befindet sich der Hersteller außerhalb der Europäischen Union, müssen auch der Importeur und seine Kontaktdaten angegeben sein.
Einige Fachhändler empfehlen außerdem, auf eine vierstellige Nummer zu achten, die einer notifizierten Stelle entspricht. Als Beispiele werden genannt: 2834 für CCQS Certification Services in Irland, 0123 für TÜV Süd und 0197 für TÜV Rheinland. Das ist kein dekoratives Detail: Der Sinn dieser Prüfung besteht darin, die am Kontrollverfahren beteiligte Stelle genauer nachvollziehen zu können.
Ein konkreter Fall irreführender Kennzeichnung: Biniki auf Amazon
Das Risiko ist nicht rein theoretisch. Im April 2024, fünf Tage vor der US-amerikanischen Sonnenfinsternis, entfernte Amazon die Marke Biniki, weil die angegebene Kennzeichnung unvollständig war: „ISO 12312“ statt „ISO 12312-2“. Der Unterschied wirkt winzig, verändert aber die Bewertung des Produkts vollständig. Genau so ein Detail kann einem Käufer unter Zeitdruck entgehen.
Eine spezialisierte Verkaufswebsite behauptet außerdem, dass bei der US-amerikanischen Sonnenfinsternis 2017 mehr als 200.000 gefälschte Paare von Amazon kurzfristig entfernt worden seien. Dieselbe Website nennt für bestimmte Onlineverkäufe im Zusammenhang mit mehreren vergangenen Finsternissen einen Fälschungsanteil von 15 bis 30 %. Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu betrachten: Eine unabhängige institutionelle Bestätigung wird hier nicht genannt. Vor allem zeigen sie, warum es besser ist, das eigene Paar zu prüfen, statt sich allein auf den Namen des Marktplatzes zu verlassen.
Das nützlichste Prüfverfahren zu Hause vor dem 12. August
1. Mit der Rückverfolgbarkeit beginnen
Für den ersten Schritt ist keine Lichtquelle nötig: Gestell, Anleitung und Herstellerangaben lesen. Ein Paar ohne klaren Verweis auf ISO 12312-2, ohne identifizierbaren Hersteller oder mit unvollständiger Norm sollte sofort Zweifel wecken. Brillen, die bei der Sonnenfinsternis 2019 verwendet wurden, sollten nicht wiederverwendet werden.
2. Den LED-Test vor jeder Sonnenbeobachtung durchführen
Ein von einem Fachhändler veröffentlichtes Verfahren empfiehlt die Verwendung einer leistungsstarken 100-W-LED. Durch echte Finsternisbrillen muss das Umgebungslicht extrem stark abgeschwächt sein. Wenn die LED, der Raum, eine Hand oder der Bildschirm eines Telefons durch den Filter weiterhin klar zu sehen sind, gilt der Test nach diesem Verfahren als nicht bestanden.
Die von Verkaufswebsites veröffentlichten Transmissionswerte sind allerdings nicht vollständig konsistent. Eine Seite gibt an, dass 99,9997 % des sichtbaren Lichts blockiert werden, also 0,0003 % durchgelassen werden; eine andere nennt einen Höchstwert von 0,003 %; eine dritte höchstens 0,00032 %. Diese Abweichung ist ein guter Grund, eine auf einem Produktblatt gedruckte Zahl nicht als absoluten Beweis zu behandeln. Zu Hause kann man einen offensichtlich zu hellen Filter erkennen, aber keine Labormessung reproduzieren.
3. Die Sonne nicht als erstes Prüfwerkzeug verwenden
Ein anderes kommerzielles Verfahren schlägt vor, am frühen Nachmittag höchstens zwei Sekunden lang in die Sonne zu schauen: Eine scharf begrenzte orangefarbene Scheibe auf schwarzem Hintergrund wäre das erwartete Zeichen, während eine unscharfe Scheibe oder Blendung auf einen gefährlichen Filter hindeuten würde. Ich würde diesen Test nicht als erste Prüfung eines verdächtigen Paars verwenden: Ein Produkt direkt mit den eigenen Augen zu testen, dessen Zuverlässigkeit man gerade erst feststellen möchte, ist keine gute Prüflogik. Besser ist es, zuerst Rückverfolgbarkeit und Verhalten gegenüber einer künstlichen Lichtquelle zu prüfen.
Brillen für 2 € oder 15 €: Kann man wirklich von einem Qualitätsunterschied sprechen?
Nach den verfügbaren Informationen nein, nicht in nachgewiesener Weise. Kein zahlenbasierter Vergleich stellt einen direkten Zusammenhang zwischen einem Preis von 2 € oder 15 € und einer besseren Sonnenfilterung her. Der Test von Que Choisir spricht sogar für eine wichtige Unterscheidung: Die zehn über sehr unterschiedliche Vertriebswege gekauften Modelle filterten die Strahlung wirksam, während einige bei Kennzeichnung oder Dokumentation weniger sorgfältig waren.
Daher müssen zwei Begriffe getrennt werden: die Qualität des Filters und die Qualität der Produktrückverfolgbarkeit. Ein teureres Paar kann möglicherweise mit anderer Präsentation, Verpackung oder über andere Vertriebswege verkauft werden, doch die hier genannten Daten erlauben nicht die Aussage, dass sein Filter stärker schützt. Umgekehrt kann ein günstiges Paar nicht allein deshalb als sicher gelten, weil es ein CE-Logo trägt.
Der sinnvollste Vergleich lautet daher nicht „Supermarkt gegen Internet“ oder „2 € gegen 15 €“. Stattdessen sollte man für jedes Paar fünf Punkte abhaken: vollständige Norm, Kennzeichnung auf dem Gestell, identifizierbarer Hersteller, Chargenreferenz, Test auf starke Abschwächung. Ein Paar, das diese Kriterien erfüllt, liefert überprüfbare Anhaltspunkte; ein Paar, das nur auf beruhigende Verpackung oder einen hohen Preis setzt, vermittelt vor allem einen Eindruck.
Warum es besser ist, jetzt zu prüfen statt am Vortag
Die Französische Astronomische Vereinigung schätzt den landesweiten Bedarf für 2026 auf 20 bis 25 Millionen Paare. Ihr Beauftragter für die Sonnenfinsternis, Alain Cirou, geht davon aus, dass die identifizierbare weltweite Produktion weit unter diesem Bedarf liegt. Ohne daraus zu schließen, dass überall sicher eine Knappheit eintritt, reicht diese mögliche Anspannung aus, um Käufe in letzter Minute weniger komfortabel zu machen.
Das von Que Choisir veröffentlichte Laborergebnis ist eher beruhigend: Keines der zehn getesteten Modelle stellte bei der gemessenen Filterwirkung ein Risiko für die Augengesundheit dar. Dieses Ergebnis macht jedoch nicht automatisch alle im Umlauf befindlichen Brillen zu zuverlässigen Produkten. Es zeigt vor allem, dass zwei Extreme vermieden werden sollten: zu glauben, im Internet werde zwangsläufig Fälschung verkauft, oder anzunehmen, ein teuer in einem angesehenen Vertriebskanal gekauftes Produkt müsse nicht mehr kontrolliert werden.
Für den 12. August ist die beste Strategie daher sehr praktisch: lesen, prüfen, vergleichen und dann testen. Fehlt eine wesentliche Angabe oder lässt der Filter den Raum normal erkennen, gibt es keinen Grund, mit den eigenen Augen ein Risiko einzugehen.
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