Am 20. März 2026 verließ die NASA-Rakete SLS das Fahrzeugmontagegebäude am Kennedy Space Center und fuhr zur Startrampe 39B. 98 Meter hoch trägt sie das Orion-Raumschiff und die Hoffnungen einer ganzen Generation. Artemis II, geplant für den 1. April 2026, markiert die Rückkehr von Astronauten zum Mond — mehr als ein halbes Jahrhundert nach Apollo 17.
Vier Astronauten, eine historische Mission
Die Artemis II-Besatzung vereint vier komplementäre Profile. Kommandant Reid Wiseman, Testpilot und Veteran der Internationalen Raumstation, wird die Mission leiten. Pilot Victor Glover, ehemaliger Kampfpilot der US Navy, wird der erste Afroamerikaner, der über den niedrigen Erdorbit hinaus reist. Missionsspezialistin Christina Koch, die den Rekord für den längsten ununterbrochenen Raumflug einer Frau hält (328 Tage an Bord der ISS), bringt ihre wissenschaftliche Expertise ein. Schließlich wird Jeremy Hansen, Astronaut der kanadischen Weltraumagentur und ehemaliger CF-18-Pilot, der erste Kanadier — und der erste Nicht-Amerikaner — sein, der sich so weit von der Erde entfernt.
Dieses Quartett verkörpert die Vielfalt und Exzellenz, die das Artemis-Programm auszeichnen. Ihre Auswahl sendet eine klare Botschaft: Die Weltraumforschung des 21. Jahrhunderts soll inklusiver sein als die des vorherigen Jahrhunderts.
Eine zehntägige Reise um unseren Satelliten
Entgegen der Vorstellung vieler beinhaltet Artemis II keine Mondlandung. Es handelt sich um einen Mondvorbeiflug von etwa zehn Tagen — ein unverzichtbarer Schritt vor Oberflächenmissionen. Das Flugprofil ist ehrgeizig: Nach dem Start in Florida wird das Orion-Raumschiff etwa 380.000 Kilometer zurücklegen, um den Mond in drei Tagen zu erreichen. Die Astronauten verbringen dann einen Tag in der Mondumlaufbahn und beobachten die Rückseite des Mondes — eine Perspektive, die nur sehr wenige Menschen erlebt haben.
Dieser Vorbeiflug ist nicht nur ein Weltraumausflug. Er ermöglicht, alle kritischen Systeme des Orion-Raumschiffs unter realen Bedingungen mit Besatzung zu testen: Lebenserhaltungssysteme, Tiefraum-Navigation, Kommunikation mit der Erde und Notfallverfahren. Jedes gesammelte Datum wird für die Vorbereitung von Artemis III, der Mission, die Menschen zur Mondoberfläche zurückbringen wird, unschätzbar sein.
SLS und Orion: ein beeindruckendes technologisches Duo
Das Space Launch System (SLS) ist die leistungsstärkste jemals von der NASA gebaute Rakete. Mit 39 Millionen Newton Schub beim Start übertrifft sie sogar die legendäre Saturn V des Apollo-Programms. Ihre Aufgabe ist einfach, aber entscheidend: das Orion-Raumschiff und seine Besatzung in einem einzigen Start direkt zum Mond befördern, ohne Montage im Orbit zu erfordern.
Das Orion-Raumschiff seinerseits ist für Tiefraum-Missionen konzipiert. Sein Hitzeschild — der größte jemals gebaute — muss bei der atmosphärischen Wiedereintritt mit mehr als 40.000 km/h Temperaturen von fast 2.800°C standhalten. Dies wird auch das erste Mal sein, dass ein bemanntes Raumschiff seit den Apollo-Missionen einem Wiedereintritt bei dieser Geschwindigkeit trotzt.
Warum ist diese Mission so wichtig?
Artemis II ist keine einfache Wiederholung der Vergangenheit. Das Artemis-Programm ist Teil einer langfristigen Vision, die weit über die bloße Rückkehr zum Mond hinausgeht. Das Ziel ist, dort durch die künftige Gateway-Mondstation und Oberflächenstützpunkte eine dauerhafte menschliche Präsenz zu etablieren. Diese Präsenz wird als Sprungbrett für eine noch kühnere Ambition dienen: Menschen zum Mars zu schicken.
Die wissenschaftliche Studie AVATAR an Bord von Artemis II veranschaulicht diese Vision. Sie nutzt Organ-auf-Chip-Technologie, um die Auswirkungen kosmischer Strahlung und Schwerelosigkeit auf die menschliche Gesundheit zu untersuchen — Daten, die für die Vorbereitung zukünftiger langfristiger interplanetarer Reisen unverzichtbar sind.
Darüber hinaus ist die internationale Dimension des Programms bedeutsam. Jeremy Hansens Teilnahme symbolisiert die Partnerschaft zwischen der NASA und der kanadischen Weltraumagentur, aber Artemis involviert auch Europa und Japan. Diese internationale Zusammenarbeit stärkt die Legitimität des Programms angesichts der wachsenden Konkurrenz Chinas, das sein eigenes bemanntes Mondprogramm entwickelt.
Der Countdown läuft
Die Besatzung begab sich am 18. März am Johnson Space Center in Houston in Quarantäne. Sie reisen am 27. März für die letzten Vorbereitungen nach Florida. Das Startfenster öffnet sich am 1. April und reicht bis zum 6. April 2026, was bei ungünstigen Wetterbedingungen oder last-minute technischen Problemen mehrere Möglichkeiten bietet.
Für die NASA sind die Einsätze beträchtlich. Nach dem Erfolg der unbemannten Mission Artemis I im Jahr 2022, die die SLS- und Orion-Systeme validierte, muss diese zweite Mission beweisen, dass die amerikanische Raumfahrtbehörde in der Lage ist, Astronauten sicher zum Mond zurückzubringen. Ein Misserfolg würde das gesamte Programm erheblich verzögern, während ein Erfolg den Weg zu Artemis III und der lang ersehnten Rückkehr zur Mondoberfläche öffnet.
Artemis II stellt einen Schritt in Richtung neuer bemannter amerikanischer Missionen auf der Mondoberfläche dar und führt zu einer nachhaltigen Präsenz auf dem Mond.
Während die Welt auf den Start wartet, richten sich alle Augen auf die Startrampe 39B des Kennedy Space Centers — dieselbe, von der die Apollo-Missionen aufbrachen. Die Menschheit steht kurz davor, den Weg zum Mond erneut anzutreten, und diesmal hat sie vor, zu bleiben.
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